Schams-e Tabrizi auf Deutsch (1)

„’Frech hast du mich selber gemacht mit deinen Lippen'. Du bist empfindlich, unsere rauhen Worte kannst du kaum ertragen. Mir ist der Mund voll vom Mehl, springt hinaus. Du fühlst dich beleidigt, wirst schwach. Wenn sie mich beleidigen, werde ich nur stärker und größer. Ich gehe in die Hölle und ins Paradies und auf den Markt ... du bist empfindlich, dorthin kannst du nicht gehen“ (Maqâlât-e Schams-e Tabrizi, Hrsg. von M. Movahed, Teheran 2006, Bd. II, S. 64)

Überraschende "Überraschungstheorie"!


Die „Überraschung“ im Ausgang von Descartes als eine „Ausschaltung der theoretischen Einstellung“ zu verstehen: hier die falsche und unphänomenologische Auffassung von diesem Phänomen, wie die die Teilnahme an dem Vortrag von dem Französen Jean-Luc Marion über dieses Thema zeigen konnte. Nichts ist so konstitutiv für dieses Phänomen als eben diese „theoretische Einstellung“, die Husserl der „Auffassungssinn“ nannte. Sie kann man insbesondere an der zeitlichen Dimension der Überraschung erkennen, die uns eigentlich ermöglicht, nicht ewig sondern nur „vorübergehend“ und „provisorisch“ in dem Moment der Überraschung zu bleiben. Sich wieder zurecht finden mit dem Unvorhersehbaren, mit dem neu in mein Erkenntnisfeld Eingeführten, mit dem bis dato Unbekannten oder Unbekanntgebliebenen und den Weg wieder zum Verständnis bei dem provisorisch Unverständlichen finden, wäre nicht möglich ohne eine geringe aber sicher nicht auszuschaltende „theoretische Einstellung“. Sonst hätte die Überraschung keinen Sinn!    

Metapher als unvorhersehbare Sehensmöglichkeit!

Der poetisch-metaphorische Bezug auf die Welt! Die Welt nicht nur als eine Gesamtheit von schlichten Objekten sehen sondern bei dieser Schlichtheit als so und so geprägt und bei dieser Prägung als jeweils mit diesem oder jenem anderen Objekt Vergleichbar. Ich sehe metaphorisch nicht nur ein Glas sondern ich sehe es als ein Loch, als ein durchsichtiges und, falls ein Weinglas ist, von Traubenblut gefülltes Loch! Jemand anderer kann darin einen weit geöffneten Mund sehen oder einen schweigsamen in seinem blutigen Frieden ruhenden Brunnen usw. usf. Die metaphorische „Sehensweise“ scheint an einem vollkommen subjektiven kontingenten und in dieser Kontingenz unvorhersehbaren kreativen Gedanken- bzw. Geschmacksgang gebunden zu sein. Sie ist „transversal“, eine Seinsregionübergreifende Sehensweise und bei dieser Transversalität, bei diesem Seinsübergriff, eine expandierende welterweiternde Möglichkeit!       

Hich!

Ich
Überzeugt in meinem Fehler
Du
Unsicher in deiner Überzeugung
Sag mir
Wie verbindet uns die Wahrheit?

Autrement aventurier!

Das Leben bzw. Lebensetappen zu markieren nicht durchs "Feiern" oder "Partys"-Besuche, sondern durch Problematikentwürfe, durch Ideenabenteuers, durch Gedankenverrücktheiten! 

Pasolinis Problematik

Dass die Wahrheit nicht in logischen Sätzen noch weniger in einem Geltungsanspruch, sondern durch das Leben von Zuhältern, Prostituierten, Vorstadtsleuten, „Assi Kindern“, in einem Wort, mit Bunuel gesprochen, „los olvidados“ hindurch zutage tritt; dass die „Armut“ nicht als eine „privative“ und durch den Mangel an Reichtum ausgeprägte Lebensweise, sondern als eine fundamentale Form des Lebens des menschlichen Daseins, innerhalb dessen das Wesen von diesem letzten und durch das hindurch die „Wahrheit“ der menschlichen Existenz zu Erscheinung kommt; hier befindet sich der Kern der pasolinischen Weltanschauung insbesondere in seinem Erstling „Accattone“. Dabei geht es um keinen Realismus als solchen als eine schlichte Darstellung der Realität, weniger um einen Neorealismus, sondern um etwas noch Tiefgründigeres, das auch kaum durch die Philosophie trotz all ihren erschöpfenden Denkmöglichkeiten bis dato gedacht wurde, oder vielleicht ist das gar keine Sache des Denkens sondern des Sehens, Erlebens, Zeigens und das wär’s! 

Tausend und eine ...

Elisabeth Minkow gewidmet

Tausend Stücke und trotzdem eins
Ein gebrochenes Herz
Tausend Teile und trotzdem ganz
Ein zerrissener Mensch
Tausend Geschichten und trotzdem - meins
Ein andersartiges wahnsinniges Leben!

Spiel, Traum; eine Vergleichsstudie!


Das Leben als Spiel, das Leben als Traum! Der Mensch hat sich seit alters her das Leben und sein Wesen nicht anders vorgestellt als das, was durch diese zwei Gedanken zum Ausdruck kommt. Da diese beide Lebensvorstellungen von einem einzigen Menschen d.h. dem tragischen Menschen gedacht wurde, muss gewisse Ähnlichkeiten in beiden Lebensdefinitionen insbesondere in ihren Komponenten nämlich „Traum“ und „Spiel“ vorhanden sein, damit sie nicht in Gegensatz geraten. Was das Traumhafte und das Spielhafte, soweit ich verstehe, auf das Niveau einer Metapher für das ganze Leben erhöht, ist, dass sie zum einen in einer Ganzheit gegeben sind, sicher in keiner mathematischen, geometrischen oder algebraischen, sondern in einer realitätsähnlichen oder -erschaffenden Ganzheit, zu der der Mensch entweder ein absoluter Zuschauer (im Falle des Traumes) oder beteiligter Spieler (im Falle des Spieles) ist, die eigenartigen Gesetze, die dabei wirksam sind, lassen sich aber von ihm nicht bestimmen und gehen jeweils über seinen eigenen Entscheidungswillen hinaus. Und zum anderen ist die zeitliche Dimension mit berücksichtigt, wobei sowohl Traum als auch Spiel über eine abgeschlossene aber zugleich ins Unendlich sich wiederholende abgeschlossene Zeitlichkeit verfügt. Der Unterschied besteht nur darin, dass anders als Spiel, aus dem man sich zurückzieht, oder Traum, aus dem man aufgewacht wird, dieses Ausgehen beim Leben nicht vorhanden ist. Das Leben gilt als Spiel aller Spiele oder Traum aller Träume als ein „Muss“, als ein traumhafter oder spielhafter Zwang, aus dem man sich nur durch den Tod zurückziehen kann.  

Die ganze Kunst der Liebe besteht in der Kontinuität, in der Fortsetzung des zweisamen Schicksals!