Seinsgefängnis II

In dem Gedanke Das Sein als Gefängnis, gibt es kein Außerhalb des Gefängnisses! "Die Strafe beginnt" erst außerhalb, da dieses Außerhalb ein Kontinuum des Innerhalb ist und der Unterschied ein ontologisch rein formaler ist.

Seinsgefängnis I

Die Andersartigkeit des Gefängnisses als ein Seiende, wobei die Beziehung zu anderen Seienden abgebrochen wird. Die Einschränkung der Freiheit ist in Bezug auf diesen Abbruch kausal nachträglich, da die Freiheit nichts anderes ist als der freie Umgang mit Seienden. Das Leben in diesem Abbruch verschafft eine andere Beziehung zum Sein. Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" genauso wie Amir Naderi's "Marsiyeh" (Klagelied) sind filmische Darstellungen dieser andersartigen verwandelten Beziehung zum Sein durch das Gefängnis als ein andersartiges Seiende. Aber wo ist das Gefängnis? Und wie, wenn einem das ganze Sein zu einem Gefängnis wird?

Sinnenklammer

Das Leben scheint in zwei Fällen vollkommen absurd und zwecklos: Ein Mal in seinem möglichst großen und weiten Horizont, in seiner kosmischen und über alles Leben hinausreichenden Dimension, ein anderes Mal in seinem möglichst kleinen und engen Horizont, in der aktuellen Gegebenheit, in der unmöglich zu erfassenden und jedem Willen zur Macht vorangehenden Gegenwart! Alles andere, was den Rahmen dieses Größtmöglichen und Kleinstmöglichen sprengt, verschafft dem Leben einen Sinn! 

Fruchtbare Entfernung!

Das Göttliche an dem künstlerischen Schaffen ist, dass der Künstler mit dem Essenziellen, mit dem Eidetischen des Seienden anfängt und willkürlich zu der ontologischen Fülle des Seienden kommt, wobei er das Seiende in der Mannigfaltigkeit seiner eigenen Erscheinungen oder sogar in der Mannigfaltigkeit von den Erscheinungen eines anderen Seienden darstellen kann! Der Spielraum dieses Könnens zwischen dem Essenziellen des Seienden und der unendlichen Mannigfaltigkeit möglicher Erscheinungen (desselben oder anderer Seienden), was in der Tat dem Gegenvorgang einer phänomenologischen Reduktion ähnelt, verschafft der Kunst ihren Anspruch auf das Göttliche.

Phänomenologisches Manko

Das ursprüngliche Wesen des Lebens als Zwang, als ein unwillkürliches In-der-Welt-sein und das innerhalb dieses Zwangs gegebene, nach dem individuellen Willen gestaltete und einzig und allein auf Einzelgegenstände wirkende Freiheitsprinzip! Ein großer Widerspruch, ein Lebenswiderspruch! Die phänomenologische Freiheitsdefinition, also die Definition der Freiheit nach dem Spruch "ich kann, wenn ich will" übersieht vollkommen diesen Widerspruch und erweist sich dabei als unfähig, über das Leben in dieser seinen faktischen und individuellen Gegebenheit hinauszuschauen.

Ausdruck der Ewigkeit!

Was ist ein Frauentanz, wenn nicht das Symbol einer einstimmigen Welt, die ihr Entstehungsstadium hinter sich hat und sich für die Ewigkeit, für eine Kontinuität in der Unendlichkeit vorbereitet? Wenn der Tanz einer Frau das Symbol dieser Einstimmigkeit der Welt in ihrer unendlichen Kontinuität ist, muss in der Frau selbst eine Wesensentsprechung mit dieser Unendlichkeit geben, die sich nicht in einer statischen Bewusstseinsform, sondern eben in einer dynamischen Bewegungsform ausdrückt. 

Der romantische Nihilist

Der moderne Mensch und seine romantische Bestimmung durch den Nihilismus! Der moderne Mensch ist durch den Nihilismus insofern romantisch bestimmt, dass sich seine doxischen Überzeugungen lediglich in der Sphäre des Realen (physikalisch-ethisch-politisch-praktischer Natur) vorfinden und über diese Sphäre hinaus alles diese Überzeugungen bestreitende Ideal-Intellektuelle nicht nur den Status einer Verdächtigung trägt, sondern sich als "Agression" erweist. 

Abschied ohne Ressentiment

Das Erschütternde an Bruckners neunte, an der Abschied-Symphonie, an der "Abschied-vom-Leben"-Symphonie: Nicht, dass der Komponist das Moment des Abschiedes, der Trennung, symphonisch dichtet, nicht dass er überhaupt das Sehnsüchtige an dem Abschied musikalisch preist, sondern dass er aus dem Abschied vom Leben eine Hymne macht, um die Schönheit des Lebens auch vor dem Schatten des Todes noch einmal zu betonen!

Die ganze Kunst der Liebe besteht in der Kontinuität, in der Fortsetzung des zweisamen Schicksals!